Yes we can
Die Epochen der Weltgeschichte haben aufgehört. Als Zäsurbildung taugen nun noch die Wahlperioden der amerikanischen Präsidentschaften, so hat es den Anschein. Das Schlagwort der Obamakampagne erinnert an die "geistig-moralische Wende" aus dem Beginn der Kohl-Regierung in den 80er Jahre in Deutschland. So wie Kohl damals in der BRD, so appeliert Obama heute an die freiheitstiftenden Werte der amerikanischen Gesellschaft. Das, was in der Bush-Dynastie eingetreten sei, hätte den Blick auf das "anständige" Amerika verstellt. Dies sei der Grund für den Verruf, in den die USA weltweit (auch bei den Verbündeten) geraten sei. Yes we can - ja was denn? Ein anständigeres Amerika, mit einem menschlichen Antlitz, eine Wende im Sinne und für die ganze Welt?
Das amerikanische Denken ist hier nie von systemischen Ansätzen geprägt, zu bedeutend ist das Geschick des Einzelnen, zu zwingend das Verfassungsziel "Glück". Die Realisierung dieser Ideale dominiert als politisches Wollen - im District und weltweit. Der Gedanke, daß im Kern (!) etwas defizitär sein könnte, was zu einem radikalen Umdenken und -handeln Anlaß geben könnte,
geht allen Kanditaten und Entscheidern ab. Dies aber ist der Grunddissenz, dies ist das Unverständnis, dem der GI mit der Knarre genauso begegnet wie der US-Diplomat im Sacco. Die Herzen und Gemüter der Menschen in der Welt werden nicht erreicht, fatal und geldzehrend für eine Suppermacht. Es ist dies aber gerade Voraussetzung, um die Rolle nicht nur einer
wirtschaftlichen (!), sondern ethischen Führungsmacht zu erfüllen. Die Gefangenenlager, die die Kriege der USA produzieren, sprechen eine eindeutige Sprache. Die Bilder von Folter und Demütigung ganzer Kontinente bleiben im Gedächthnis haften.
Meine Führungsmacht soll aber Hort der Aussöhnung, Verständigung, Achtung und Annäherung sein. Yes we can - davon ist nur wenig zu hören. Welche fatale Wirkung hat die Berliner Aussage Obamas, die Liebe möge den Handelsströmen nacheifern. Yes we can klingt da zynisch und mehr nach dem "we trust in God" der Ein-Dollar-Note, dem wichtigsten Botschafter der USA in der Welt.
Unsere Aufgaben sind andere:
Nicht die Bewältigung der Klimakatastrophe, denn die wird gelingen ...
Nicht die Verteilung der Ressourcen und des Wassers, denn das wird gelingen
...
Nicht die Ausdehnnung der einzigen großen Freihandelszone auf die ganze Welt, denn die ist im vollen Gange ...
Unsere Aufgabe ist es, die Frage nach dem gesamtgesellschaftlichen Gefüge zu stellen, nach der Verantwortung eines jeden von uns für den anderen und das ganze. Unsere Aufgabe ist es, die Angst, die unser derzeitiges poltisches Handeln bestimmt, zu überwinden, um endlich gestalterisch wirksam werden zu können, im Sinne der Generationen, die nach uns kommen. Bedrohungspotentiale taugen nicht, um zu bauen. Betrachten Sie einmal die Informationen einer durchschnittlichen Nachrichtensendung unter diesem Aspekt. (Arbeitsplatz, Benzinpreis, Börse, Terrorangst - das wars ...)
Die Devise lautet auch unter dem Aspekt zukünftiger Kosten: Schulen ausbauen, mit den Kindern spielen, sich und sie im persönlichen Umgang bilden, Sportvereine in der Breite fördern, Orchester, Museen und Theater nicht schließen, sondern erweitern, musische Bildung als selbstverständlich einrichten, im Sinne einer Volksgesundheit auf schädliches Ernährungsverhalten verzichten, Verblödungsfernsehen eindämmen etc. - kurz:
das erfüllende Miteinander entdecken und fördern: in Staat, Kultur und Familie.
Yes we can.
