Profi-Fussball: Wann? Wo? Und um welchen Preis?

Geht es in dem aktuellen Streit über die TV-Rechte überhaupt noch um den Sport, den Sportler und den Fussballfan oder ausschließlich um Finanzen…?

Am 18. August titelte die Onlineausgabe der ZEIT: „Streit um TV-Rechte: DFL will Kartellamt verklagen“. In dem Artikel ist die Rede von einem ursprünglich ausgehandelten Vertag zwischen dem DFL und dem Kirch-Tochterunternehmen Sirius in Höhe von Drei Milliarden Euro für die Spielzeiten 2009/2010 bis 2014/2015, dem nun endgültig das Aus droht.

Einen Tag später ist in der TZ zu lesen, wie erbost der Manager der deutschen Fussball-Nationalmannschaft über die aktuelle Debatte in Bezug auf die TV-Vermarktungsrechte ist. Herr Bierhoff: „Die gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedeutung des Fußballs wird in Deutschland trotz aller Sonntagsreden der Politiker immer wieder unnötig in Frage gestellt und somit nicht angemessen gewürdigt. Mich würde mal interessieren, was passiert, wenn wie in den USA oder Italien die ganze Liga streikt und damit den Spielbetrieb an mehreren Wochenenden einstellt.”

Nun wollen wir Herrn Bierhoff mal fragen, welchen Fussball er denn meint? Der Amateur-Fussball hätte wohl kaum was dagegen, wenn die Bildschirme “schwarz” blieben. Immerhin würden dann vermutlich viel mehr Leute den Weg in die (Amateur-)Stadien finden. Fussball ist, auch wenn es gerne so dargestellt wir, nicht gleichbedeutend mit Profi-Fussball. Dem Deutschen sein liebstes Kind – der Fussball, der die Herzen von Millionen Menschen höher schlagen lässt, wird als Machtmittel ausgenutzt.
Wie sonst ist es zu erklären, dass sofort ein Weltuntergangs-Szenario herbeigeschworen wird? Wieso überhaupt diese Schwarz-Weiß-Malerei und Polemik? Was ist das für ein Verständnis von Recht und Gesetz?
Lassen wir Herrn Bierhoff mal zu Wort kommen:
„Es geht hier um grundsätzliche Dinge und nicht um eine Besserstellung des Fußballs gegenüber anderen Märkten. Aber es kann nicht sein, dass die wirtschaftliche Bedeutung des Fußballs immer wieder von Entscheidungsträgern unterschätzt wird.“
Im Klartext heißt das wohl: Es geht um sooo viel Geld, da kann man ruhig mal die Grenzen der Legalität überqueren. Um es noch deutlicher zu machen, nennt der ehemalige Kapitän der Nationalmannschaft sogar ein Beispiel: „Die englische Wirtschaft hat nach seriösen Erhebungen 936 Millionen Euro verloren, weil sich die Nationalmannschaft nicht für die EM qualifiziert hat. In Deutschland hätte der Verlust 1,2 Milliarden Euro betragen, wenn wir die EM verpasst hätten. Das sind Zahlen, über die sollten sich manche Leute mal Gedanken machen.“ Eine Gegenfrage: Warum machen sich die Leute denn keine Gedanken darüber, dass die Engländer die Qualifikation vielleicht geschafft hätten, wenn sie mit dem vielen Geld der Aktienvereine nicht Franzosen sondern junge Engländer spielen lassen würden.

Am 11.12.1997 hatte das Bundesgerichthof entschieden, dass die Zentralvermarktung der Europapokalspiele der deutschen Teilnehmer durch den DFB unzulässig ist. Schon damals waren einige Herren nicht bereit ihre Selbstverständlichkeit abzulegen und ihre rechtsfreien Energien zu überdenken.

Aber es kommt noch schlimmer. Der Präsident der FIFA, somit der oberste Entscheidungsträger des Fussballs, ist alles andere als ein würdiger Vertreter des Fussballs. Erst vor kurzem mischte er sich in den Transferstreit um Cristiano Ronaldo zwischen Real Madrid und Manchester United ein, indem er den Spieler mit einem modernen Sklaven verglich. Sklaverei im Fussball? Nachdem ihm der Druck zu groß wurde, speziell von den englischen Medien, hat er in einer Pressekonferenz erklärt, dass er falsch verstanden worden sei. Er meinte angeblich die Spielervermittler, die afrikanische Spieler an europäische Top-Clubs vermitteln.
Seine Wiederwahl war übrigens auch ein ganz spannendes Thema. Fragen zu seiner Wiederwahl erlaubt Herr Blatter übrigens nicht. Journalisten, die ihm auf Pressekonferenzen Fragen bezüglich seiner Wiederwahl und der damit verbundenen Korruption stellen, werden rausgeschmissen. Es gilt als bewiesen, dass Herr Blatter und sein Vorgänger kleinen afrikanischen Staaten 6-stellige Summen zukommen ließen, damit die Wiederwahl sichergestellt werden konnte. Auch in diesem Zusammenhang wird deutlich, dass nicht nur der „Pokal“ sondern der gesamte Fussball seine „eigenen“ Gesetze hat.
Apropos Korruption: Als Adidas-Vertretersorgt Herr Blatter auch ansonsten dafür, dass kein wirklicher Wettbewerb der Sportartikelhersteller stattfinden kann. Der bereits existierende Ball mit Positionsmessung von Derbystar (ein kleiner Hersteller aus Goch, Deutschland) bekommt keine Chance. Es geht um eine Ausschreibung um „Wembley-Tore“ zu verhindern.
Diese Ausschreibung wird solange von Blatter zurückgehalten, bis Adidas auch eine Lösung fertig hat.
Die Heuchelei im Profi-Fussball scheint an der Tagesordnung zu stehen. Ganz bitter wird es aber spätestens dann, wenn der Breitensport direkt davon betroffen wird, wie im Falle des 3. Bundesligaspiels am Sonntag. Es wurden geheime Absprachen zwischen Dr. Zwanziger, Dr. Rauball, den Landesverbands-Vertretern und nicht repräsentativen Vertretern des Amateurfußballs getroffen. Erstens wurde die Änderung über den Kopf der Amateure hinweg durchgesetzt unter dem Versprechen „15 Uhr wird nicht angetastet“ und aktuell findet nun ein Vorstoß Richtung 15 Uhr statt.

Wie schon im Untertitel angedeutet, dreht sich alles nur ums Geld. In manchen Fällen sogar ganz konkret um die eigene Geldbörse von einigen Entscheidungsträgern.
Ein weiterer Beleg für die Machenschaften der Funktionäre sind die Übertragungszeiten von Länderspielen. Wie sollen sich Kinder und gewerblich Angestellte Spiele ansehen, die wie Deutschland gegen Belgien (20.08.2008) um 21 Uhr angepfiffen werden, nur weil man die aktuell kaufkräftigste Zielgruppe erreichen möchte. Vielleicht ist das auch ein Grund dafür, dass das Nürnberger Stadion halb leer war. Aber die Eintrittsgelder bringen ja schon lange nicht mehr den Löwenanteil der Einnahmen.

Es ist offensichtlich, dass manche „Automatismen“ leider nicht geändert werden können, zumindest nicht von heute auf morgen. Das Mindeste aber ist, dass man die Benachteiligung und das Unrecht anspricht und sich nicht damit zufrieden gibt.