Verräterische Sprache - Merkel-Rhetorik
Mal abgesehen davon, dass „unsere“ Nachrichtensprecher und –redakteure sich entweder auf die verwahrloste Sprache der Bevölkerung einschießen (äh einstellen) oder selbst die Grammatik nicht mehr beherrschen, fängt nun auch unsere Spitzenkanzlerin an, rhetorisch unterhalb der Radarerfassung zu fliegen. Und brav wiederholen alle Sender den Interviewausschnitt zur Situation nach dem Irlandvotum am 19. Juni:
„Die Frage, die sich der EU nun stellt, lautet nicht, ob man mit Irland oder gegen Irland weitermacht …(!)“
Mit oder gegen, Birnen oder Äpfel, klassisch. Oder hat gar Sigmund F. hier seine Finger mit im Spiel. Hieß es nicht bis vorgestern „mit oder ohne“ Sauce oder Mayo und „für oder gegen“ Steuererhöhung?
Wie will man aber auf so ein raffiniertes Merkelsches Votum reagieren? Zwei nicht vergleichbare Attribute, das ist eine neue Stufe in der rhetorischen Trickkiste der Kanzlerin, die immer dann, wenn politische Gegner votieren, zu vermelden pflegt: „ Da machen Sie es sich zu einfach …!“
Vor dreißig Jahren bemühte Franz Josef Strauß noch seine ironische Gabe, wenn er meinte, nachts sei es entschieden kälter als draußen. Heute sind solche Formulierungsmuster schon fast politiktauglich, wie gestern gesehen.
Da bleibt mir nur noch zu fragen übrig: Scheidet Deutschland nicht aus, oder gräbt sich die Mannschaft nicht vor dem eigenen Sechzehnmeterraum ein?
