Heute so – morgen so

Was ist eigentlich los mit unserer guten Generation „grün“? Die grüne Idee, beseelt von gesellschaftlicher und ökologischer Gerechtigkeit verblaßt allmählich, bald bleibt nur noch ein pastellhafter Eindruck von einem matten grün.

Nicht nur, dass das ehemalige Protestpotential aus APO- und Wackersdorf-Zeiten von den übrigen etablierten Parteien bestens absorbiert wurde; nein, auch die Galionsfiguren scheinen doch mehr als zu ahnen war, vom Umfeld selbst wieder aufgesogen zu werden. An den Umstand, dass ehemalige Spitzenpolitiker in der Stromwirtschaft eine neue Heimat finden, haben wir uns gewöhnt. Dass nur aber der ehemalige Innenminister NRWs und gegenwärtige DOSB-Generaldirektor und Chef de Mission der Olympiamannschaft für Peking, Michael Vesper in Peking als deutscher Olympiafunktionär ein verheerendes Interview zur Freiheit der journalistischen Berichterstattung gibt, ist für mich die bisherige Krönung.

Zu den aktuellen Beschränkungen hinsichtlich der Internetzugänge für Journalisten während der Spiele (gesperrt sind u.a. auch die Seiten der Deutschen Welle) sagte er, dass in allen Ländern dieser Welt Seiten staatlicherseits gesperrt würden, auch in Deutschland, z.B. Auftritte rechtsradikaler Gruppierungen …?!?

Dies aus dem Mund des ehemaligen Verfassungsschutzministers. Wie hanebüchen dies ist, konnte man am Tag drauf erkennen, als er in einem erneuten Interview, zu seinen Äußerungen befragt, die korrigierte, nun gegenteilige Auffassung verkündete: Freier Journalismus braucht den freien Zugang zum Netz.


Was lerne ich daraus: Nicht die Haltung zu bestimmten Fragen entscheidet über Äußerungen in der Öffentlichkeit, sondern die wie auch immer geartete Vorteilhaftigkeit dessen, was ich tue oder sage. Es ist der Nutzen, der auch hier zum entscheidenden Kriterium wird. Unter diesem Gesichtspunkt war es „nützlich“, sich beim chinesischen Sicherheitsregime beliebt zu machen, eine Bresche zu schlagen. Gesamtpolitisch war es natürlich ein Fehler, den man später wieder korrigieren konnte.


Fehler machen wir alle, keine Frage. Aber heute rangiert unter „Fehler“ erst dann etwas, wenn man erwischt wird. Irgendwann wird auch orthographisch erst dann etwas falsch sein, wenn es gelesen und nicht schon, wenn es geschrieben wird.
Da lohnt es kaum, über den zweiten großen Fehlermacher der Woche zu berichten:

Ver.di-Chef Bsirske weilte, während in Deutschland die Lufthansa bestreikt wurde, mit der Ehefrau in der Südsee im Urlaub – welch ein Symbol! Als Aufsichtsratmitglied der Lufthansa flog er aber kostenlos dorthin. Wie man am 3. August der Presse entnehmen konnte, kam Bsirske darauf angesprochen zu der Anschauung, dass dies ein Fehler gewesen sei. Er werde selbstverständlich die Kosten für Südsee-Flug nachzahlen.


Bleibt zu hoffen, dass zukünftig auch bei Tempoüberschreitung im Straßenverkehr die Einsicht in die Fehlerhaftigkeit des Tuns vor Geldforderungen schützt. T’schuldigung!