Vox Populi... und ein nationaler Fußballspieler

Wie allgemein bekannt, ist das Auto - auf schwäbisch “Heilig’s Blechle”- des Deutschen liebstes Kind. In der Rangfolge dahinter platzieren sich nicht etwa die Familie nebst Frau und Kind(er) oder gar die Arbeit, auf Neudeutsch gelegentlich auch Job genannt. Nein, weit gefehlt: Der Fußball ist es!

Darüber zu berichten wäre müßig, es hieße Eulen nach Athen zu tragen.
Trotzdem möchte ich ein paar Gedanken dazu niederschreiben. Nicht etwa zum “Fußballalltag” in den verschiedenen Ligen. Da gibt es kompetentere Experten, je nach Vereinsfarben getrennt.
Nein, die Länderspiele sind es, die nicht nur mich oft an den Rand der Verzweiflung treiben.
Hört man die Saga, so besitzt Deutschland nicht nur eine der besten Ligen der Welt, auch die Nationalmannschaft wird gerne so tituliert.

Aber was tut sich da immer wieder auf dem Rasen (ich weigere mich, ihn heilig zu nennen)?
Gesehen wieder einmal letzten Mittwoch, im Klassiker gegen England.
Diesmal war es sogar ein “Doppelklassiker”. Einmal des Spieles selber wegen und dann...war es ein klassisches Gurkenspiel des deutschen Teams, obwohl die Männer von der Insel nur mit einer Torsomannschaft antraten.
Viele Versuche meinerseits, dieses Gewürge irgendwo und irgendwie rational zu erklären scheiterten.
So kam mir der Gedanke, einen Akteur selbst zu befragen. Ein kurzes Telefonat mit dem Manager eines Jungmillionärs und die Sache war geritzt.

Herr Bammel, so nennen wir ganz einfach den erwählten Auswahlspieler, konnte allerdings nur telefonisch Rede und Antwort stehen, da ein wichtiger Promotion-Termin mit dem Hersteller seines Nobelsportwagens angesagt war.
Das Gespräch dauerte, wie angedeutet, nicht lange und ich gebe auch nur die wichtigsten Passagen wieder.
Nach einer kurzen Begrüßung kam ich dann auch recht zügig zur Sache.

- Herr Bammel, wie beurteilen Sie persönlich dieses Spiel?

Herr B: Nun, wenn ich das so sagen darf, irgendwie hat keiner von uns so richtig Tritt gefasst.

- Wie das, Herr Bammel? Alle, die auf dem Platze standen, sind doch Profifußballer?

Herr B: Ich glaube, wenn ich das so sagen darf, Profis sind wir in unserem Verein, dort wird malocht und dort wird Kasse gemacht.

- Was viele Zuschauer an den Bildschirmen und im Stadion sahen, war mangelnder Einsatz, es wurde nicht gekämpft, es gab keine Gegenwehr. Nur die wenigsten Pässe kamen an und ein Sturmlauf, wie angekündigt, war es auch nicht. Haben Sie dafür eine Erklärung?

Herr B: Na hören Sie mal! Wir sind doch keine Boxer oder Catcher, wenn ich das so sagen darf.
Wir rennen doch nicht wie die Hunnen auf das Feld und machen alles nieder; angetrieben vom Trainer Attila, Sie wissen doch, das war der, mit der Peitsche in der Hand.
Und zudem hatten die Engländer mindestens 12 Mann auf dem Platz. Wenn wir einen Pass schlagen wollten, schwupp, ist plötzlich ein Engländer dort gestanden, wo vorher noch einer von uns war.

- Wenn ich meinen Gedanken von vorher noch einmal aufgreifen darf: Ihr alle seid Profis, verdient jährlich mindestens wenn nicht noch mehr. Fehlt da nicht ein gerüttelt Maß an innerer Einstellung? Es ist doch immerhin eine Ehre, die deutschen Farben zu vertreten.

Herr B: Ha, in welchem Jahrhundert leben Sie denn, werter Herr? Fußball ist heute, wenn ich das so sagen darf, ein beinhartes Geschäft. Da wird trainiert, da wird gespielt, man hat Verträge mit Sponsoren. Presse, Rundfunk und Fernsehen wollen laufend Kommentare von uns und ein wenig Werbung muss ja auch sein, oder?
Und bleiben Sie mir bitte mit der Ehre vom Hals. Flagge und Hymne, das sind doch Dinge für Politiker und Militärs. Sollen die sich doch daran aufgeilen, dafür werden sie ja bezahlt!

- Eine Frage noch Herr Bammel: Der DFB hat jedem Spieler der Nationalmannschaft 200 000 Euro für das Erreichen der WM-Endrunde ausgelobt. Finden Sie das nicht übertrieben, zumal man dieses Ziel wohl von Ihrem Team erwarten darf? Zur Erläuterung Herr Bammel: Ein Arbeitnehmer mit einem Bruttogehalt von 2 500 Euro muss 80 Monate, das sind fast 7 Jahre, dafür arbeiten und darf keinen Cent ausgeben.

Herr B: Nun bleiben Sie mal bitte auf dem Teppich. Natürlich ist das gerecht. Schließlich sind wir ja die besten Spieler im ganzen Land und halten unsere Knochen hin, damit ihr alle schönen Fußball sehen könnt, wenn ich das so sagen darf. Und wie man weiß, ist das Fußballerleben recht kurz und für später wollen wir ja auch noch was übrig haben.
Übrigens, zu den Hunnen fällt mir noch was ein: Das waren gar keine Fußballer. Die haben ja Polo gespielt und kamen immer mit den Pferden auf den Platz.

- Herr Bammel, ich danke Ihnen für das Gespräch.