Vox populi... oder Fingerhakeln und die Politik
Der Leser wird sich fragen, was hat Fingerhakeln mit Wahlkampf oder der Politik gemeinsam?
Ist es doch eine urige, bayrische Sportart, bei der gestandene Mannsbilder, mittels eines Metallringes verbandelt, versuchen, den Gegner unter Ausstoßen gutturaler Laute, über den Tisch zu ziehen.
Dem Nichtbayern ist es nicht gegeben, zu ergründen, was da so alles rumgeschrieen wird. Es könnte, frei übersetzt, folgendes bedeuten: ' Du elendige Hanswurst, du elendige, du Hundsbubl, du damischer Hirsch, du Saupreiß fränkischer, du willst gegen mich antreten? Schleich di - und so weiter im Jargon der bajuwarischen Liebenswürdigkeiten.
Nun würde es aber niemand einfallen, seinen Herausforderer zu beleidigen, ihn gar in seiner Ehre anzugreifen oder zu bescheißen, nein, man will ihm nur klar machen, dass er so gut wie keine Chance hat!
So, oder so ähnlich hätte man doch unlängst auch die Erbfolge der bayrischen Landesfürsten (jeder bayrische Landesvater ist der potentielle Nachfolger des immer noch rumspukenden Märchenkönigs) regeln können.
Die von der Partei und von Gott (via Münchner im Himmel) hierzu berufenen Kandidaten hätten sich um einen Tisch versammelt, einige Maß Bier getrunken, eine Weißwurst verzehrt und die oben erwähnten Siegesgesänge angestimmt. Hernach hätte man dann, geziement gestärkt, sich dem Ritual des den-anderen-über-den-Tisch-Ziehens unterworfen.
Der Sieger wäre von allen anerkannt und nach alter Väter Sitte berechtigt gewesen, das bayrische Volk durch die Unbilden der preußischen Politik zu führen.
Und spätestens hier beginnen die Gemeinsamkeiten dieser Sportart und der Politik.
Denn siehe, oh Stamm der Bajuwaren, es ist euch eine übermächtige Konkurrenz im Lande der Äppelwoitrinker erwachsen!
Euer ureigener Sport wurde von einem schmächtigen Persönchen, schmächtig in der Politik und noch geringer in der Wahrheitsliebe, zur Perfektion gebracht!
Erinnert euch, die Hessen, die Anfang des Jahres auch wählen durften, wurden nicht etwa im Kampfe Mann gegen Mann - wie es sich gehört - zu Hunderttausenden über den Tisch gezogen: Nein, eine kleine Lokalpolitikerin,
ausgezogen den Landesfürsten Don Rolando mit hehren Worten, oft widerrufenen Aussagen und einem selbst auferlegten Wählervotum zu stürzen, hat es fertig gebracht, auf einen Schlag ein ganzes Bundesland über den Tisch zu ziehen!
Wer von euch, ihr Bayern, hat jemals solch einen Kraftakt vollbracht?
Diese kleine Frau, Ypsilon mit Namen, konnte natürlich nicht aus eigener Kraft diese Taten vollbringen, dazu fehlte ihr des Volkes Stimme. Sie brauchte die Unterstützung von jenen, die vorher mit Schmähreden bedacht wurden, von jenen, mit denen man nichts, aber auch gar nichts zu tun haben wollte: Aber als untergeordnete Mehrheitsbeschaffer sind sie gerade gut genug!
Unterstützung ist auch notwendig von denen, die sich in grüner Tarnkappe anschicken, diesen Schlamassel mitzutragen.
Hat nun Frau Ypsilon besondere Fähigkeiten oder gar Erfolge nachzuweisen?
Hat sie ein festes Programm, ein Land zu regieren? Fehlanzeige!!
Was also bemächtigt sie, diesen Führungsanspruch zu stellen?
Kurz gesagt: Ein vorhandener Narzissmus und ihre unstillbare Machtgier!!
Frau Ypsilon hat aber eines vergessen: Fingerhakeln ist ein ehrlicher Sport! Nur die eigene Kraft und Geschicklichkeit zählt - und keine Hinterfurzigkeiten.
Sie fährt munter fort, andere - auch ihre Neuverbündete - herabzusetzen, was diese (so hat es den Anschein) nicht berührt, da sie jetzo einen Hauch von großer Politik am Main verspüren.
Die eine Partei, oder Gruppierung, wie sie der ehemalige Parteiboss von Frau Ypsilon überheblich titulierte, nennt sich Die Linke.
Aber Vorsicht: Nomen est omen!!!
Wer als Partei nicht mehr Charakter hat, sich vor einen Karren spannen zu lassen, der ohne Speichen in den Rädern durch das hessische Land fährt, taugt nichts für künftige Regierungsarbeit!
Auch jene, die schon einmal Bundespolitik mitgestalteten, sollten sich schämen, dererlei Hakeleien als demokratischen Vorgang hinzustellen und mitzuwursteln.
Wen wundert da eigentlich noch die Politikverdrossenheit in der Bevölkerung?
Ist es nur ein Zufall, dass sich Frau Ypsilon just an dem Tag küren lassen will, an dem auch in "Gottes eigenem Land" der neue Mr. President gewählt wird?
Wenn ja, dann soll es so sein, wenn nicht - nun ja, da mag sich jeder seine eigenen Gedanken machen.
So gesehen, ihr lieben Bayern, keine Sorge um euren Nationalsport. Mag es auch rau und zünftig zugehen, mag man sich anbrüllen und über den Tisch ziehen, so geschieht es doch auf bayrisch-faire Art und Weise.
Sollte ich demnächst einmal wieder das Land an der Isar besuchen, ladet mich ein zu einer Maß Bier und zu einer lustigen Runde um den Mittelfinger.
Und euch, ihr Bämbelesschwenker wünsche ich, dass dereinst aus euren Reihen ein Politiker hervorgeht, der nicht alles hinter Schloss und Riegel bringen will oder eine Politikerin, die wenigstens einmal zu ihrem Worte steht.
Willem Raima
Nachtrag vom 03.11.2008
Die Ereignisse haben sich überschlagen. Vier Abgeordnete haben aus Gewissensgründen Frau Ypsilon die Gefolgschaft versagt und ihre Machtpläne ad absurdum geführt. Wie sagte doch der alte Römer: In vino veritas (im Wein liegt/ist Wahrheit). Wie wir sehen, auch im Äppelwoi!
PS: Es wird jetzt wohl tüchtig über diese Abgeordneten hergezogen werden.
Dies wäre grundfalsch, denn mit Erhalt eines Parteibuches hat man weder sein Gewissen noch sein Recht auf freie Meinung abgelegt!
Willem Raima
