Kritische Anmerkung zum Doping-Fall David Solga

Wie mittlerweile allgemein bekannt, wurde der Spieler bei einer Dopingkontrolle im Anschluss an das Meisterschaftsspiel zwischen Burghausen und Jahn Regensburg am 4. Oktober positiv getestet. Bei der A-Probe war die stimulierende und verbotene Substanz  Methylpseudoephedrin als Ableger des Wirkstoffes Metamfepramon gefunden worden.
Dieser Wirkstoff ist Teil des Medikamentes „Tempil N“, welches Solga wegen einer Grippe-Erkrankung Anfang Oktober, also vor dem Spiel gegen Regensburg, von seinem Vereinsarzt verordnet worden war. Der Spieler wurde nun und bis zur endgültigen Aufklärung des Sachverhaltes vom Spielbetrieb suspendiert, obwohl sich die Vereinsführung inzwischen beeilte klar zu stellen, David Solga treffe keine erkennbare Schuld an dem Vorfall. Vielmehr habe er nur der Verordnung des Vereinsarztes Folge geleistet. Jedoch sei auch für diesen nicht erkennbar gewesen, dass das Medikament die verbotene Substanz enthalte.
 
Hierzu ist aus meiner Sicht folgendes anzumerken:
Das Grippe-Medikament „Tempil N“ ist seit Jahrzehnten in weitgehend unveränderter Form auf dem deutschen Markt erhältlich. Schon in den 80-er Jahren wurde in Polizei,- Mediziner- und Pharmazeutenkreisen hinlänglich bekannt und publiziert, dass das Medikament sich als Ersatzdroge bei Drogensüchtigen einiger Beliebtheit erfreut und entsprechend auf dem Schwarzmarkt gehandelt wird. Daher steht es, nachdem anfangs frei verkäuflich, seitdem bis heute unter Rezeptpflicht.
Die Substanz Metamfepramon, Teil des o.g. Medikamentes „Tempil N“, gehört zu der, von der Doping- Kommission verbotenen, Gruppe der Stimulantien, die im Leistungssport für den Tod schon einiger Sportler verantwortlich gemacht werden.
Über die Wirkung von Metamfepramon heißt es in dem, dem Medikament beiliegenden Informationsblatt: „Metamfepramon wirkt im Gehirn stimulierend und anregend. Es steigert die Leistungsfähigkeit und verscheucht Müdigkeit.“
 
Trifft in diesem Fall den Gehorsam leistenden und pharmazeutisch wahrscheinlich ungebildeten Fußballer sicherlich keine Schuld, so ist doch sein Image zunächst einmal nachhaltig angekratzt. Es sollte vom behandelnden (Sport)Mediziner, wenn er die offizielle Liste verbotener Doping-Substanzen schon nicht im Kopf hat, zu erwarten sein, dass er hilfreiche Informationsschriften nicht nur richtig zu lesen-, sondern auch entsprechend zu deuten weiß. Dieses auch ungeachtet der Tatsache, dass das Internet voll ist von Informationen über die erwähnte Substanz.
 
Am Ende muss sich der Kollege, wenn wohl auch keine explizite Doping-Absicht, so doch ein gewisses Maß an Fahrlässigkeit vorwerfen lassen. - Auch daran kann eine Karriere zerbrechen.