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Schlechte Heime - Gute Noten
Immer wieder mal ist über die Missstände in deutschen Heimen in den Medien berichtet wurden. Nach Bekanntwerden von zahlreichen skandalösen Umständen in Pflegeheimen ist die Gesundheitsministerin Ulla Schmidt nun endlich aktiv geworden. Pflegeeinrichtungen sollen künftig geprüft und benotet werden. Die Ministerin erklärt: „So können wir schwarze Schafe schneller finden und die Menschen gehen einfach nicht mehr in diese Einrichtungen oder abonnieren nicht mehr diesen Pflegedienst.“
Ja super, dann wäre das Problem mit schlechten Heimen ja aus der Welt, würde man auf den ersten Blick vermuten, aber leider ist es mit diesen schönen Worten der Ulla Schmidt nicht getan. Ein zweiter genauer Blick auf das bevorstehende Bewertungssystem deckt die Tatsache auf, dass das Vorhaben an sich zwar eine gute Idee ist, jedoch die praktische Umsetzung ein totaler Fehlgriff!
Die Prüfer müssen aus insgesamt 64 Kriterien ein Prüfbericht erstellen aus dem dann eine Schulnote nach einem Mittelwert errechnet wird, der die Qualität des Heimes beurteilt. Künftig sollen alle Prüfberichte bundesweit veröffentlicht und die Heime mit Noten von eins bis fünf bewertet werden.
Wo ist denn nun der Haken an der Sache?
Gundo Zieres, Geschäftsführer des MDK Rheinland Pfalz, erklärt in einem Interview mit dem SWR, was faul an diesem System ist: „Nach meiner Auffassung wird es zukünftig in Deutschland zumindest auf dem Papier keine mangelhaften Einrichtungen mehr geben.“ Auf die Frage: „Warum?“ antwortet er: „Stellen Sie sich vor, Sie halten eine Hand auf eine kochend heiße Herdplatte und gleichzeitig die andere Hand in eine Extrem-Tiefkühltruhe. Obwohl sie ohne Zweifel beide Hände verlieren werden, spricht man mathematisch im Mittelwert von einer angenehmen Körpertemperatur. Nach dem gleichen Verfahren funktioniert die neue Bewertungssystematik.“
Konkrete Beispiele: Ein nicht sachgerechter Umgang mit Medikamenten kann durch regelmäßige Mitarbeiterschulungen in Erster Hilfe und Notfallmaßnahmen ausgeglichen und für die Gesamtnote neutralisiert werden. Genau so besteht die Möglichkeit einen nicht angemessenen Ernährungszustand von Bewohnern durch schriftliche Verfahrensanweisungen zu Erster Hilfe und Verhalten in Notfällen schön zu rechnen.
Herr Zieres hält diesen Zusammenhang für skandalös.
Schlechte Heime jedoch, in denen Missstände herrschen, begrüßen dieses Prüfungs- und Bewertungssystem, da es ihnen die Möglichkeit der Manipulation bietet.
Noch interessanter wird es aber, wenn man die Entstehung der Reform der Pflegeversicherung genauer unter die Lupe nimmt. Die Ministerin, Frau Schmidt, hat im vergangenen Sommer den Verbänden der Heim-Bosse erlaubt, genau die Kriterien mitzubestimmen, nach denen die Pflegeheime heute geprüft werden.
Hört sich an wie eine Mogelpackung – ist es auch wie selbst Pflege-Manager kritisieren. Gerd Peter, Geschäftsführer der Münchenstift sagt dazu: „Es ist absurd. Es ist dasselbe, wie wenn mein Kind versetzungsgefährdet ist, ein schlechtes Halbjahreszeugnis hat, und dann ruft mich der Lehrer an und sagt, kommen Sie doch vorbei, wie hätten Sie es denn gerne, dass Ihr Sohn durch das Jahreszeugnis kommt.“
Die Politik verteidigt sich damit, dass die Ergebnisse ja nicht nur in „Gesamtergebnissen“, sondern auch „einzeln“ ausgewiesen würden. In der Praxis sind die Ergebnisse für die pflegebedürftigten Menschen jedoch viel zu kompliziert und alles andere als hilfreich bei ihrer Entscheidung.
Um das Problem zu lösen, fordert Gundo Zieres die Einführung von so genannten k.o. Kriterien, zum Beispiel bei Verstößen gegen angemessene Demenz-, Ernährungs- und Flüssigkeitsversorgung.
Wie vernünftig es ist, dass Heimträger die an den Kriterien mitwirken durften, an denen die Verbraucher übrigens in keinem ausreichendem Maße beteiligt worden sind, ist mehr als nur fragwürdig. Es stellt sich die Frage: „Ist die Gesundheit eines Menschen so wertlos, so billig?“ Nein, definitiv nicht. Die Gesundheit kann mit keinem Geld der Welt erkauft werden und ist ein kostbares Gut. Es ist wirklich geschmacklos, wenn Menschen, die ihren Lebensabend verbringen, keine angemessene Wertschätzung erhalten. Ein Lebensabend, der würdevoll und mit geringstmöglichem Leid verbunden ist, ist das Mindeste, was wir unseren Eltern, Großeltern und „morgen“ auch uns selber schuldig sind. Wie glaubwürdig sind wir bitte, wenn wir Respekt untereinander einfordern aber unsere Älteren respektlos behandeln.
Fazit: Schlechte Heimträger können von den festgelegten Pseudo-Prüfkriterien profitieren. Ulla Schmidt profitiert, denn sie kann die vorgespielte Transparenz als politischen Erfolg verkaufen. Verlierer sind, wie so oft, pflegebedürftige Menschen und Heimplatzsuchende.
