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Obama in Berlin

Völker der Welt, schaut auf dieses Land …

Wenn amerikanische Politiker den Begriff „Freiheit“ bemühen, geht es ihnen stets um die Wurst. Sprich: Die USA sind nicht bereit, die Durchsetzung ihres Wertesystems in der Welt preiszugeben. So geschehen auch am Abend des 24.07. im Schatten der Berliner Siegessäule. Im Nachhinein wird der Tross der Obama-Kampagne mehr als zufrieden sein; man wird nachgegoogelt haben, was den dieses kanonenbewehrte Denkmal bedeutet; steht doch gerade dieses Denkmal als Fanal für die Überlegenheit des preußischen Zündnadelgewehrs gegenüber den spätbarocken Waffen der ehemaligen Gegner. Hegemonie, Überlegenheit, Effizienz – Preußen wurde 1945 nicht aufgelöst, sondern ausdrücklich „verboten“.

Es ging in der Rede Obamas also um nichts weiter als geostragische Vorherrschaft und wirtschaftliche Hegemonie. Hiervon würde kein amerikanischer Präsident abrücken, gleichgültig welcher Hautfarbe, Schicht oder Partei. Es ist und bleibt das Credo amerikanischen Handels in der Welt. Die Fanmeile tobt und jubelt!

Und die Deutschen? Ja, die armen Deutschen, im Jubeltaumel können sagen, sie seien dabei gewesen … „Hat sich der Klinsi aber verändert!“

In der Tat, auch die Enkel stehen nach wie vor in der suggerierten Dankbarkeitshaftung von 1948. „Völker der Welt, schaut auf diese Stadt“, wird Ernst Reuter in seiner berühmten Rede zitiert. Obama ermahnt die Deutschen 2008, 60 Jahre später, sich auch zukünftig gebührend für die Rosinenbomber der Luftbrücke zu bedanken, indem man jetzt gefälligst auch in Afghanistan und sonst wo zu seinen eingeredeten Bündnispflichten steht.

Die USA fühlen sich Deutschland so nahe, dass man an der Truppenpräsenz hier auf Dauer festhalten wird. Washington denkt geostragisch, nicht politisch. Da fällt es auch nicht auf, für die Ächtung der Atomwaffen weltweit und vor allem im Iran einzutreten (so es denn dort welche geben wird) und zugleich die Atomarsenale in Deutschland, also in der Mitte Europas, stets zugriffsbereit zu halten. Strategisch heißt das: Deutschland bleibt der größte Flugzeugträger der USA in der Welt. Pikant war auch die Bemerkung Obamas zum erforderlichen Einreißen der ethnischen und religiösen Grenzen in der Welt. Man solle dem freiheitlichen Weg folgen, den die Märkte und Handelsströme vorgeben. Für Obama ist also die Globalisierung synonym für den Freiheitsbegriff an sich. Was ist das für eine Freiheit angesichts sich verknappender Ressourcen und galoppierendem Konsum? Nie waren wir derart frei. Welch eine Ernüchterung in der Rede des Hoffnungsträgers!

Und Deutschland bleibt nach wie vor ein besetztes Land. In dieser Tradition wird es noch lange stehen, ein stets entspannter Wowereit hin, die 200.000 der Fanmeilenkultur her: Auch der 2+4-Vertrag zur Wiedervereinigung garantiert dieses gute Stück Besatzungspolitik. Heißt es da doch, dass die USA sich bei Verlassen der freien Marktwirtschaft durch die deutsche Politik ein militärisches Eingreifen vorbehalten. Wie souverän sind wir eigentlich. Haben wir denn eine Wahl? Vielleicht gefühlt, real kaum. Insofern ist der Auftritt des zukünftigen Präsidenten in der Hauptstadt des Lieblingssatelliten nur zwangsläufig.

Dem politisch informierten Zuhörer müssen gestern die Ohren geklingelt haben.

Und eins ist klar: Obama wird siegen. Eine in Vietnam geschlagene Weltmacht wird den Anblick des versehrten Veteranen vor dem Hintergrund eines anstehenden zweiten Desasters im Irak wohl kaum ertragen.

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